Die Bildsprache Elemente: Oben bzw. Unten


Die Bedeutung dieser beiden Elemente der Bildsprache entspricht weitgehend ihrer räumlichen Anordnung: oben und unten.
Bildelemente, die wir Fotografen im oberen Bereich eines Bildes platzieren, wirken auf den Betrachter meist wichtiger, erhabener, stärker oder überlegen. Dagegen werden Elemente im unteren Bildbereich eher mit Unterlegenheit, Schwäche, Abhängigkeit, Kleinheit oder geringerer Bedeutung assoziiert.
Diese Wirkung beruht auf unbewussten Wahrnehmungsmustern und kann gezielt eingesetzt werden, um die Bildaussage zu verstärken. Besonders deutlich wird diese Bildwirkung durch den bewussten Einsatz des Hochformats. Es betont die vertikale Anordnung der Bildelemente und verstärkt damit die Wahrnehmung von „oben“ und „unten“.
Im bekannten Porträt von Annie Leibovitz mit Elon Musk und seiner Mutter lässt sich dieses Prinzip ebenfalls erkennen. Seine Mutter ist etwas höher im Bild platziert – nicht viel, aber deutlich wahrnehmbar.
Annie Leibovitz nutzt hier außerdem ein weiteres Element der Bildsprache. Häufig wandert der Blick des Betrachters zunächst zu den hellsten Bildbereichen. Da Musks Mutter eine weiße Bluse trägt und sich vor einem dunkelgrünen Hintergrund befindet, fällt der Blick des Betrachters zunächst auf sie – und nicht auf den Milliardär.
Hinzu kommt, dass sie sich nahezu in der Bildmitte befindet – ein weiteres Gestaltungsmittel, das die Aufmerksamkeit des Betrachters lenkt.
Für mich zeigt dieses Bild sehr eindrucksvoll, wie mehrere Elemente der Bildsprache gleichzeitig eingesetzt werden können. Es ist daher kein Zufall, dass Annie Leibovitz zu den bekanntesten und gefragtesten Fotografinnen der Welt gehört. Dabei spielt es letztlich keine entscheidende Rolle, ob sie diese Bildgestaltung bewusst oder intuitiv gewählt hat. Die Wirkung der Bildsprache entfaltet sich beim Betrachter ebenfalls weitgehend unbewusst.
Bildsprache: von links nach rechts


Normalerweise lesen und schreiben wir in der westlichen Kultur von links nach rechts.
Mitten im Satz angekommen, liegt der Satzanfang bereits in der Vergangenheit, während der restliche Satz noch in der Zukunft liegt. Diese gewohnte Leserichtung beeinflusst auch unsere Bildwahrnehmung. Als Fotografen können wir sie deshalb gezielt als Element der Bildsprache einsetzen.
So liegt es nahe, die S-Bahn im oberen Bild als ins Bild hineinfahrend wahrzunehmen. Die S-Bahn im rechten Bild wirkt dagegen, als würde sie das Bild bereits wieder verlassen. Die Bewegungsrichtung von links nach rechts unterstützt diesen Eindruck und verleiht dem Bild eine unterschiedliche Wirkung – obwohl sich die beiden Fotos nur durch ihre Ausrichtung unterscheiden.
Bildsprache: Einsam und allein

Es wird oft gesagt, dass man allein sein kann, ohne sich einsam zu fühlen – und umgekehrt mitten in einer Menschenmenge zutiefst einsam sein kann. Obwohl beide Begriffe oft im selben Atemzug genannt werden, beschreiben sie völlig unterschiedliche Zustände.
- Allein beschreibt einen äußeren Zustand: Man ist ohne andere Menschen. Das muss weder gut noch schlecht sein.
- Einsam beschreibt ein inneres Gefühl: Man fühlt sich verlassen, isoliert oder wünscht sich mehr Nähe und Kontakte.
- Man kann allein sein, ohne einsam zu sein, zum Beispiel wenn man Ruhe genießt oder bewusst Zeit für sich nimmt.
Beide Zustände beschreiben jedoch starke emotionale Zustände und beide sind menschlich: Sowohl das Bedürfnis nach Rückzug (Alleinsein) als auch das Gefühl von Einsamkeit (als Signal, dass uns soziale Kontakte fehlen) sind völlig normale, menschliche Erfahrungen.
Allein sein ist eine Superkraft: Es hilft uns, zu uns selbst zu finden, kreativ zu sein und den Akku aufzuladen.
Einsamkeit ist ein Warnsignal: Sie funktioniert wie Hunger oder Durst – sie zeigt uns, dass uns etwas Lebenswichtiges fehlt: echte, tiefe Verbindung zu anderen.
Bildsprache: Aufsteigend, positiv

An diesem Thema hatte ich mich schon vor längerer Zeit versucht, dann aber entmutigt abgebrochen. Selbst in seinem Buch „Die Sprache der Fotografie“ geht Ted Forbes nicht über allgemeine Betrachtungen hinaus: Linien, Flächen, Farben, Drittelregel, goldener Schnitt, Komposition, etc.
Diese allgemeine Themen stehen in jedem Foto Lehrbuch. Und getreu der Devise. „Die Bücher die ich lese, schreibe ich mir selbst.“ bin ich nach wie vor fest überzeugt, dass dies ein interessantes Buch ergeben könnte.
Also ein Element der Bildsprache, mit dem wir Fotografen im Sinne von visueller Kommunikation etwas ausdrücken können sind auf- oder absteigende Linien.
Und wie es so ist, sind diese Elemente der Bildsprache mit Sicherheit kulturell geprägt, und gelten NICHT weltweit für alle Menschen in gleicher Weise.
Bildsprache: absteigend, negativ

- Aufsteigende Linien symbolisieren Aufschwung, Wachstum, Kraft, Optimismus.
- Absteigende Linien deuten auf Verlust, Ende, Abschwung,
Dies gilt zumindest für alle Bild Betrachter hier in Deutschland, Europa, der westlichen Welt. Jeder hat lieber steigende Börsenkurse wie fallende Kurse. Motive mit steigenden Linien findet man überall, direkt vor der Haustür. Dazu sind keine weiten Reisen notwendig.
Bildsprache: Aufwärts, optimistisch

Ich glaube fest an die Elemente einer gelungenen Bildsprache. Auch wenn es sich hier scheinbar nur um Geometrie handelt. Ich glaube dass Linien, die von links unten nach rechts oben ins Bild zeigen einen aufsteigenden, positiven, optimistischen Sachverhalt ausdrücken.
Doch irgendwie passt das welke, tote, absterbende Blatt nicht zu dieser positiven Aussage.
Bildsprache: Abwärts, Niedergang

Also habe ich das selbe Motiv nochmals mit anderer Kamera Position fotografiert.
Ja, ich weiß, dass sich Bildsprache nicht immer und nur auf Geometrie reduzieren lässt. Aber teilweise passt es zusammen.
Bildsprache: Wachstum

Wir Menschen wissen zwar, dass exponentielles Wachstum in der Natur nicht vorkommen kann. Aber jeder von uns, und wenn er nur eine einzige Aktie hat, hofft und träumt insgeheim drauf.
Bildsprache: Wachstum geht von links unten nach rechts oben. Ein optimistisches Zeichen, eine optimistische Bildaussage. Wer es nicht glaubt, der lese weiter:
Bildsprache: Niedergang

Das gleiche Bild wie oben nur vertikal gespiegelt. Die Tendenz zeigt eindeutig nach unten. (Schon wieder Geometrie in der Bildsprache).
Bildsprache ist wichtig. Auch wenn das Motiv nicht wie hier, das Hauptmotiv ist. Selbst wenn im Hintergrund etwas nach unten zeigt, löst es diese Reaktion beim Betrachter aus.
Übrigens: Heute wurde ein bekannter Politiker entlassen. Das Bild dazu: Er geht von links oben nach rechts unten eine Treppe runter. Das Treppengeländer geht ebenfalls von links oben nach rechts unten.
Spiegelbilder

In der Fotografie haben Spiegelbilder in Seen oder ruhigen Flüssen eine starke künstlerische und symbolische Aussage. Sie transportieren bestimmte Stimmungen und Botschaften:
- Symmetrie und Harmonie: Eine perfekte, glatte Wasseroberfläche erzeugt eine natürliche Spiegelung, die zu einer starken Symmetrie im Bild führt. Symmetrie hat die Aussage: Ruhe, Ausgeglichenheit, Ordnung und pure Harmonie .
- Visuelle Tiefe und Raumgefühl: Durch die Reflexion wird das Motiv „verdoppelt“. Das schafft eine faszinierende optische Tiefe, die den Betrachter tiefer in das Bild hineinzieht und den Raum viel größer oder mächtiger wirken lässt, als er in Wirklichkeit ist.
- Ruhe, Stille und Meditation: Seen und ruhige Flüsse ohne Wellengang vermitteln ein Gefühl von absoluter Entschleunigung, Frieden und Einsamkeit. Das Foto lädt dazu ein, innezuhalten und den Moment auf sich wirken zu lassen.
- Zwei Welten (Realität und Illusion): Eine Spiegelung verwischt die Grenze zwischen oben und unten, zwischen Realität und Traumwelt. Das gespiegelte Abbild wirkt oft wie eine geheimnisvolle Paralleldimension.