Wie alles begann: Die Möwe Jonathan

„Die Möwe Jonathan vermittelt, dass persönliches Wachstum entsteht, wenn man den Mut hat, eigene Grenzen zu hinterfragen und neue Wege zu gehen. Jonathan folgt seiner Leidenschaft für das Fliegen, obwohl er dafür Ablehnung und Ausgrenzung erlebt. Er erkennt, dass wahre Freiheit aus Lernen, Übung und der Entfaltung des eigenen Potenzials entsteht. Statt verbittert zu sein, gibt er sein Wissen an andere weiter und inspiriert sie, ebenfalls über sich hinauszuwachsen.“
Ich komme mir auf meinem Weg der Fotografie vor wie die Möwe Jonathan.
Die Mitgliedschaft hier im ortsansässigen Fotoclub war für mich nicht erfüllend.
Der Meute hinterher zu rennen um Anerkennung zu finden, ist nichts für mich.
Das zu machen, was alle tun, lehne ich ab.
Für Andere oder Ausstellungen zu fotografieren ist sekundär.
Mein Weg geht zuerst nach innen:
Was will ICH?
Was ist MEIN Stil?
Was erfüllt MICH?
Mit viel Versuch und Irrtum: Fotografieren nur um des Fotografierens willen.
Spielen, nicht gefallen wollen.
Ewiges Lernen.
Mich fasziniert was über die Möwe Jonathan geschrieben wird: Sie entfernt sich bewusst von der Meute, die sich schreiend um ein paar Fischreste der Fischer balgen und sich mit Fischabfall zufrieden geben. Sie sondert sich bewusst ab, um absichtslos Fliegen zu lernen, tauchen zu können, Schlaf im Flug zu beherrschen, etc.
Bis hin zur Meisterschaft. Das reine Sein einer Möwe, war immer Ihr Ideal.
Und siehe da, nach unendlich vielen Fehlversuchen und harten Bruchlandungen, lernte sie zu tauchen. Tief zu tauchen. Bis ganz tief hinunter, wo die kostbaren, wohlschmeckenden Fische schwimmen.
So schreibt es Richard Bach bereits im Jahr 1970 in seiner Erzählung.
Laut schreien!

Konstantin Wecker: „Es sind nicht immer die lauten stark, nur weil sie lautstark sind.“
„Es sind nicht immer die Lauten stark, nur weil sie lautstark sind.
Es gibt so viele, denen das Leben ganz leise viel echter gelingt.
Die stehen nicht auf Bühnen, füllen keine Feuilletons,
die kämpfen auf schwereren Plätzen…“
Jedes Kind kann bereits kommunizieren wenn es auf die Welt kommt, auch wenn die ersten Laute nur schreierisch sind. Schwer zu verstehen.
Und mir kommt es vor, als folgen zu Beginn alle Fotografen diesem Prinzip: Laute, markt-schreierische Bilder von Sonnenuntergang, Sonnenaufgang, Blaue Stunde, Makros, Blüten, Schmetterlinge, etc. Hauptsache laut. Hauptsache schreierisch. Mit den üblichen Foto-Wettbewerb Regeln: „Wer schreit am lautesten?“
Doch das ist keine visuelle Kommunikation. Weder verbal noch visuell. Es ist nur laut.
bla bla bla

Und wie die Kinder, die sich über Jahre langsam in Ihrer Kommunikation mit der Umwelt weiter entwickeln, geht es uns Fotografen auch. Aus dem Laut-Schreien wird allmählich ein bla bla bla. Das übliche Fotografen Gemurmel: Schmetterlinge, Grand Canyon, Niagara Fälle, Exoten-Bonus, „ich war da“-Bilder, Nebel, Tautropfen an Spinn-Netzen, etc. Wohin man schaut, nur der übliche Foto-Kitsch und Klischee. Nichts für mich. Nicht, dass ich denke, ich wäre etwas besonderes. Nein, ich will nur ICH sein und nicht ein anynoymes, austauschbares, angepasstes und braves Mitglied irgend einer unbedeutenden Foto Community.
Doch das Foto-bla bla bla, ist wie bei den kleinen Kindern, noch immer keine richtige, keine verständliche Kommunikation. Bei Kindern, da bin ich mir ganz sicher, wird die Kommunikation im Laufe des Lebens immer besser, klarer, verständlicher. Der Wortschatz steigt täglich. Das Gefühl für die artgerechte Grammatik auch. Und bei Anwälten ist die sprachliche Gewandtheit sogar extrem ausgeprägt: Ausdruck macht Eindruck. Das ist auch mein Ziel als Fotograf. Perfekt zu kommunizieren.
David Ulrich: Professor für Fotografie an einem ganz normalen amerikanischen College schreibt dazu in seinem Buch: „Bewusster fotografieren“:“ Viele Bilder sind heute rein malerisch, ohne inhaltliche Tiefe. Viele Fotografen und Fotografinnen wollen mit ihren Bildern maximale Wirkung erzielen oder einfach nur schöne oder optisch ansprechende Fotos machen. Dies ist eine Stufe auf der Lernkurve, die jedoch schnell überwunden werden kann – und überwunden werden sollte.“
Und dann kommt er auf den Punkt: „Fotografie ist ein mächtiges Kommunikationsmittel, und viele Menschen sind der visuellen Klischees überdrüssig, die in der populären Fotografie vorherrschen.“
Und er frägt uns ganz eindringlich: „Was wollen Sie sagen? Wie sehen Sie die Welt? Welche Ideen und Eindrücke berühren Sie im Innersten?“
Kommunikation ist für Ihn und für mich, obwohl ich ihm nie persönlich begegnet bin, der eigentliche Sinn der Fotografie. Mit dieser Überzeugung hatte ich jedoch in keinem Fotoclub in dem ich kurz zu Gast war, irgendwelche Seelenpartner. Schade eigenlich. Das Wort Bildsprache habe ich dort nie gehört.
Und so wie Kinder mit jedem Jahr die menschliche, sprachliche Kommunikation mehr und besser lernen, so will ich als Fotograf auch die Elemente, sozusagen die „Worte der visuellen Kommunikation“ immer besser lernen und verstehen und anwenden. Leider muss ich das allein machen.
Und natürlich muss und will ich auch auch die Grammatik, also die Zusammensetzung der Elemente der visuellen Kommunikation beherrschen: Bilder machen, die etwas aussagen: Die hohe Schule der Fotografie. Alles andere ist für mich nur Knipserei. Und das ist völlig in Ordnung: Jedem das Seine.
Von Rosen und Dreck

Irgendwo habe ich einmal gelesen: An der Hand die Rosen schenkt, bleibt ein süßer Duft zurück.
Ich erweitere den Satz: An der Hand, die mit Müll und Dreck um sich wirft, auch.
In fast allen Foto Lehrbüchern steht, dass jedes Bild auch etwas über den Fotografen aussagt. Es sagt etwas über den Autor aus, ob er positive, schöne, aufmunternde, lebensfrohe Bilder veröffentlich oder nur Dreck, Abfall, Müll, Negatives, Mord und Totschlag.
Henri Cartier-Bresson: „Wir sehen die Welt nicht, wie sie ist, wir sehen die Welt, wie wir sind.“
Ansel Adams: „In jedem Bild gibt es immer zwei Menschen: den Fotografen und den Betrachter.“
Ernst Haas: „Es gibt immer nur Dich und die Kamera. Jegliche Beschränkungen liegen in Dir selbst, denn das, was wir sehen, ist das, was wir sind.“
Minor White: „Ein Foto ist immer ein Selbstporträt, egal, wen oder was du ablichtest.“
Der Kern all dieser Aussagen ist, dass Motivauswahl, Blickwinkel, Licht und der Moment, in dem man abdrückt, stark von den eigenen Werten, Erfahrungen und dem inneren Empfinden gesteuert werden.
Das gilt nicht nur für uns Fotografen: Auch Dichter, Roman-Schreiber, Zeitungs Redakteure, Filmemacher, Theater Regisseure, Bildhauer, und alle Kunstschaffende: An Ihren Früchten wird man sie erkennen. Wie innen, so außen.
Ich habe einen Bekannten, der die meisten Sätze beginnt mit: Ja, aber das Problem ist!
Oder wie mein engster Jugendfreund immer sagt: Jetzt wählt er auch diese eine Partei, die haben für jede Lösung das passende Problem.
Und ganz drastisch auf den Punkt gebracht: Was soll einmal auf unserem Grabstein stehen:
„Er war ein Rosen Kavalier“ oder „Da liegt er nun, der Defätist.“
Aussagen, Aussagen überall Aussagen

Scheinbar ein „ganz normaler Balkon“ in Wolfratshausen. Und doch sagt er etwas über die Bewohner hinter dem Balkon aus. Sozusagen die individuelle Balkonsprache.
Oben der Balkon ist bunt, vielfältig, farbenfroh, geschmückt, lebensfroh, usw.
Unten der Balkon ist leer, nüchtern, sachlich, ungeschmückt. Auch das sagt etwas über die Bewohner aus. Vielleicht wohnen oben echte Menschen und unten ist nur ein Balkon vor einem Büro. Kann sein. Aber es sagt etwas aus!!
Und ich meine dies alles ohne Bewertung. Jedem das seine. Aber es sagt halt etwas aus. Es drückt etwas aus.
Alles drückt etwas aus: Wie wir Menschen uns kleiden. Wie wir gehen: Aufrecht oder gebeugt. Schnell und gezielt oder langsam und tippelnd. Welches Auto wir fahren. Welchen Beruf wir haben. Wie wir leben, wo wir leben, welche Beziehungen wir eingehen, was wir essen, wie unsere Wohnung eingerichtet ist, im Innern und im Außen, usw. Alles zählt. Oder wie ich einmal gelesen habe: Wir können NICHT „nichtkommunizieren.“ Selbst wenn wir den ganzen Tag zuhause auf dem Sofa liegen, sagt das etwas über uns aus. Alles zählt.
Sowie alle Bilder die wir Fotografen machen, auch eine Bild-Aussage haben. Deshalb ist das Beherrschen der Bildsprache so wichtig.
Jeder der sich in Italien mit den Bewohnern unterhält (kommuniziert), muss möglichst viele italienische Worte und natürlich die Grammatik der italienischen Sprache beherrschen.
So muss ein guter Fotograf auch möglichst viele Elemente (Worte) der visuellen Kommunikation beherrschen. Seine Bilder sagen etwas über ihn aus. Und der Betrachter sollte es auch erkennen. Dann ist er ein Meister seines Fachs.