Juli 2026 – Der Bildsprache Monat

Das Bildsprache Element: Rahmen

Framing, auf Deutsch Rahmen, gehört zu den klassischen Gestaltungsmitteln der Fotografie und wird in praktisch jedem Fotolehrbuch behandelt. Für mich ist es weit mehr als nur eine Gestaltungsregel – es ist ein wichtiges Element der Bildsprache.

Links: Der Blick des Betrachters wandert nach links und stößt auf den Waldrand. Intuitiv wird klar: Hier gibt es nichts mehr zu entdecken. Ein größerer Bildausschnitt würde lediglich noch mehr Bäume zeigen – ohne zusätzlichen Bildinhalt.

Rechts: Dasselbe gilt für die rechte Seite. Auch hier bilden die Bäume einen natürlichen Abschluss des Bildes. Den Bildausschnitt weiter nach rechts zu erweitern, würde das Bild nicht bereichern.

Oben: Der obere Bildrand wird durch den blauen Himmel begrenzt. Auch hier entsteht der Eindruck: Mehr Himmel würde keinen Mehrwert schaffen. Ein Hochformat wäre deshalb die deutlich schwächere Wahl.

Unten: Am unteren Bildrand verhält es sich genauso. Die Wiese erfüllt ihre Aufgabe als Abschluss des Bildes. Mehr davon würde die Aussage des Fotos nicht verstärken.

So lenken alle vier Bildränder den Blick des Betrachters zur Bildmitte. Dort befinden sich die Häuser – das eigentliche Motiv. Das Framing sorgt dafür, dass der Blick nicht aus dem Bild herauswandert, sondern immer wieder zum Zentrum zurückgeführt wird.

Zugegeben: Die Häuser reißen einen Wolfratshauser nicht gerade vom Hocker. Wer hier lebt, sieht solche Motive jeden Tag. Doch genau darum geht es mir in diesem Beispiel nicht.

Entscheidend ist für mich die Erkenntnis, wie wirkungsvoll Framing die Wahrnehmung eines Bildes steuern kann. Dieses Gestaltungsmittel bewusst zu erkennen und gezielt einzusetzen, ist für mich ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer stärkeren Bildsprache. Wenn dann die wirklich interessanten Motive vor der Kamera stehen, möchte ich dieses Werkzeug ganz selbstverständlich nutzen können.

Die Bildsprache Elemente: Oben bzw. Unten

Die Bedeutung dieser beiden Elemente der Bildsprache entspricht weitgehend ihrer räumlichen Anordnung: oben und unten.

Bildelemente, die wir Fotografen im oberen Bereich eines Bildes platzieren, wirken auf den Betrachter meist wichtiger, erhabener, stärker oder überlegen. Dagegen werden Elemente im unteren Bildbereich eher mit Unterlegenheit, Schwäche, Abhängigkeit, Kleinheit oder geringerer Bedeutung assoziiert.

Diese Wirkung beruht auf unbewussten Wahrnehmungsmustern und kann gezielt eingesetzt werden, um die Bildaussage zu verstärken. Besonders deutlich wird diese Bildwirkung durch den bewussten Einsatz des Hochformats. Es betont die vertikale Anordnung der Bildelemente und verstärkt damit die Wahrnehmung von „oben“ und „unten“.

Im bekannten Porträt von Annie Leibovitz mit Elon Musk und seiner Mutter lässt sich dieses Prinzip ebenfalls erkennen. Seine Mutter ist etwas höher im Bild platziert – nicht viel, aber deutlich wahrnehmbar.

Annie Leibovitz nutzt hier außerdem ein weiteres Element der Bildsprache. Häufig wandert der Blick des Betrachters zunächst zu den hellsten Bildbereichen. Da Musks Mutter eine weiße Bluse trägt und sich vor einem dunkelgrünen Hintergrund befindet, fällt der Blick des Betrachters zunächst auf sie – und nicht auf den Milliardär.

Hinzu kommt, dass sie sich nahezu in der Bildmitte befindet – ein weiteres Gestaltungsmittel, das die Aufmerksamkeit des Betrachters lenkt.

Für mich zeigt dieses Bild sehr eindrucksvoll, wie mehrere Elemente der Bildsprache gleichzeitig eingesetzt werden können. Es ist daher kein Zufall, dass Annie Leibovitz zu den bekanntesten und gefragtesten Fotografinnen der Welt gehört. Dabei spielt es letztlich keine entscheidende Rolle, ob sie diese Bildgestaltung bewusst oder intuitiv gewählt hat. Die Wirkung der Bildsprache entfaltet sich beim Betrachter ebenfalls weitgehend unbewusst.

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Bildsprache: von links nach rechts

Normalerweise lesen und schreiben wir in der westlichen Kultur von links nach rechts.

Mitten im Satz angekommen, liegt der Satzanfang bereits in der Vergangenheit, während der restliche Satz noch in der Zukunft liegt. Diese gewohnte Leserichtung beeinflusst auch unsere Bildwahrnehmung. Als Fotografen können wir sie deshalb gezielt als Element der Bildsprache einsetzen.

So liegt es nahe, die S-Bahn im oberen Bild als ins Bild hineinfahrend wahrzunehmen. Die S-Bahn im rechten Bild wirkt dagegen, als würde sie das Bild bereits wieder verlassen. Die Bewegungsrichtung von links nach rechts unterstützt diesen Eindruck und verleiht dem Bild eine unterschiedliche Wirkung – obwohl sich die beiden Fotos nur durch ihre Ausrichtung unterscheiden.

Bildsprache mit Farbe

Dass der Blick des Betrachters häufig zuerst auf helle oder weiße Bildbereiche fällt, ist unter Fotografen allgemein anerkannt und wird bewusst genutzt.

Auch die Farbe Rot besitzt eine starke Signalwirkung. Sie zieht unsere Aufmerksamkeit besonders schnell auf sich. Ein wesentlicher Grund dafür dürfte sein, dass Rot die Farbe des Blutes ist. Blut – ob das eigene oder das anderer Menschen oder Tiere – besitzt für uns eine hohe biologische Bedeutung und löst deshalb eine besonders starke Wahrnehmungsreaktion aus.

Diese Signalwirkung macht sich nicht nur die Fotografie zunutze. Auch in vielen Bereichen des täglichen Lebens wird sie gezielt eingesetzt. Verkehrszeichen, Absperrungen sowie Warn- und Hinweisschilder arbeiten häufig mit den Farben Rot und Weiß, um Aufmerksamkeit zu erzeugen und wichtige Informationen sofort ins Auge fallen zu lassen.

Die Wirkung der Bildsprache beschränkt sich also keineswegs auf die Fotografie. Sie begegnet uns überall dort, wo Informationen schnell wahrgenommen und intuitiv verstanden werden sollen.