Juni 2026

Ende der Lehrzeit

Heute habe ich spontan beschlossen meine Lehrzeit zu beenden.
Warum?
Irgendwann muss ich auch mal Verantwortung für meine Bilder übernehmen.
Irgendwann kann ich mich nicht weiter hinter der Ausrede verstecken: Ich bin ja noch in der Lehre, ich bin ja immer noch ein Lehrbub.

Irgendwann muss ich ja mal als Fotograf erwachsen werden.
Irgendwann hat auch mal das Lesen von Büchern und das Erlernen der Grundlagen der Fotografie ein Ende.

Ich weiß, dass manches fließend ist und das es nicht unbedingt einen festen Zeitpunkt braucht, so wie in der Schule in der eine Abschlussprüfung stattfindet.

Aber irgendwann ist auch mal gut mit Ausreden und Entschuldigungen und Hinauszögern.
Irgendwann muss ich Reife und Können zeigen.

Ich weiß dass der Übergang fließend ist und Lernen nie aufhört, aber ich habe beschlossen den heutigen Tag, den 1. Juni 2026 als Fotografen Geburtstag zu nehmen.

Heute fängt also mein erstes Fotografen Jahr an. Lehrzeit ist jetzt vorbei.

Endlich

Endlich mal wieder ein Bild mit einer Aussage: Nichts los an der Adria. Kaum Urlauber. Trotz bestem Wetter, besten Bedingungen.

So wenig los, wie Pfingsten 2026 habe ich die Adria noch nie erlebt.

Und eigentlich könnte mir das egal sein. Aber …

Wenn wir deutschen und österreichischen Urlauber im Sommer kein Geld nach Italien fahren, werden „die Italiener“ im Herbst, wenn die gesamte Saison vorbei ist auch keinen VW, keinen BMW und keinen Mercedes aus Deutschland bestellen. Wir sind alle miteinander vernetzt. Wenn wir in Deutschland unser Geld sinnlos für überteuerte Energie ausgeben müssen, schadet es uns allen. Auch und gerade uns.

Dialog

Vor der Wahl war es allen Parteien extrem wichtig, täglich die Stadtmitte zu belagern zu besetzen um den extrem wichtigen Dialog mit den Bürgern zu führen.

Heute hätte ich mal wieder Lust gehabt zum dialogisieren, aber leider gab es kein Gegenüber auch kein Miteinander und zum Monolog bin ich mir zu schade.

Laut leben

„Ich bin als Künstler auf der Welt um laut zu leben!“ – Französischer Schriftsteller Émile Zola (1840–1902).

Hinter diesem Zitat steckt Zolas radikale Philosophie über die Rolle der Kunst in der Gesellschaft:

  • Die Wahrheit ungeschönt aussprechen: Kunst (bzw. Bilder) darf nicht leise, brav oder rein dekorativ sein. Ein Künstler hat die Pflicht hat, die Missstände der Gesellschaft – Armut, Heuchelei, etc. – radikal und „laut“ beim Namen zu nennen. Natürlich auch die positiven Merkmale und Errungenschaften zu loben.
  • Kunst ist Provokation: „Laut leben“ bedeutet, sich nicht den bürgerlichen Konventionen oder der Zensur anzupassen. Ein Künstler soll durch sein Werk und Leben Lärm schlagen, aufrütteln und Debatten anstoßen.

Gerade in der aktuellen Zeit fehlt uns Émile Zola sehr.

Christo in Wolfratshausen

Christo und Jeanne-Claude waren ein Künstlerehepaar, das vor allem mit gemeinsam realisierten spektakulären Verhüllungsprojekten bekannt wurde.

In Deutschland ist vor allem die Verhüllung des Berliner Reichstagsgebäudes im Jahre 1995 in Erinnerung.

Das Reichstagsgebäude wurde trotz perfekter Verpackung dann aber doch nicht abgeholt und verschickt. Vermutlich hat die passende Briefmarke gefehlt. Versandfertig eingepackt, adressiert und falsch frankiert.

Und heute Nacht war ein Christo Imitator in Wolfratshausen am Werk und hat diesen Baum kunstvoll eingepackt. Und wieder fehlt die passende Briefmarke. Und so wartet der Baum noch immer auf den DHL oder UPS.

Seufzer Treppe

Dieser Hauseingang sieht so aus, als ob Wolfratshausen ein neues Gefängnis bekommt. Dann sollte man aber hinter der Glastür kein helles hoffnungsvolles Licht machen. Denn die neuen Insassen erwartet eher eine dunkle als eine helle Zukunft. Und die Treppe würde ich dann Seufzertreppe nennen, denn eine Seufzerbrücke gibt es schon.

Das macht man nicht!

Aber genau deshalb und deswegen habe ich es auch getan: Bilder ohne klare Kontur, ohne eindeutiges Motiv, ohne Farbkontraste, ohne markantem Eyecatcher. Solche Bilder darf man einfach nicht machen. Sie verwirren den Betrachter. Er frägt sich: was soll das ? Und genau hier kommt mein Widerspruchsgeist und sagt: aber ich mache es trotzdem oder gerade deswegen. Wie gesagt: ich möchte laut Leben.

Komisch

Ich habe es schon oft erlebt und auch schon öfters geschrieben: Immer wenn ich ein Foto Lehrbuch erneut lese, fallen mir neue, noch nie bemerkte, überraschende Themen, Inhalte bzw. Gedanken auf. Komisch!

So beschreibt William Neill in seinem Buch: „Die Essenz der Landschaftsfotografie“ folgende 3 Punkte für außergewöhnliche, bemerkenswerte Fotografien:

  1. Außergewöhnliches Licht
  2. Begeisternde, dynamische Bildgestaltung
  3. Emotionaler Inhalt, der den Betrachter anspricht

Gerald Hüther würde natürlich sofort fragen, warum will jemand überhaupt außergewöhnlich bzw. bemerkenswert sein?

William Neill geht in seinem Buch überhaupt nicht auf das Thema Bildsprache ein. Kann aber leicht sein, dass mir das erst beim nächsten Durchlesen auffällt. Ihm geht es traditionell um schöne Bilder. Bemerkenswert ist seine Herangehensweise an das Thema Landschafts-Fotografie. Er verwendet, laut eigener Aussage im Durchschnitt ein Zoom welches auf 150 mm Brennweite eingestellt ist. Diese Detailaufnahmen sind ihm wichtiger, als stur wegen der reinen Lehre ein 28 mm oder 24 mm Brennweite zu benutzen.

Porträts

Schön, dass wir Menschen so unterschiedlich sind. Schön, dass jeder eine eigene Meinung und Herangehensweise hat. Schön, dass das auch für uns Fotografen gilt. So war diese Woche in der WELT ein Interview mit dem deutschen Fotografen: Martin Schoeller.

https://www.welt.de/kultur/article6a1979ca672896fe8f165b87/portraetfotograf-martin-schoeller-von-angesicht-zu-angesicht.html

Seine Spezialität: Porträts ohne Pose. Die Ergebnisse (Bilder) sind für mich gewöhnungsbedürftig. Wer jedoch Fotografie als Kunst ansieht, lässt Ihn gewähren. Jedem das seine. Und was für mich besonders zählt: Er versucht nicht krampfhaft und „auf Teufel heraus“ mit jedem Porträt ein schönes Bild zu machen. Trotz der Tatsache, dass er Assistent von Annie Leibovitz war. Sein Licht: 2 Neonröhren direkt vor den Gesichtern.

Er hat sie: Die gesamte globale Prominenz. Er muss nicht darum betteln, dass er jemanden vor seine Linse bekommt. Er muss nicht damit angeben: Schaut her: Ich habe einen völlig unbedeutenden kleinen Politiker fotografiert.

Über seine Arbeitsweise sagt er: „Ich behandele sie alle gleich, ob Promi oder Freund oder ein Obdachloser von der Lower East Side. Sie kriegen dasselbe Licht, denselben Hintergrund, dieselbe Kamera, dieselbe Behandlung.“

Als ich vor einigen Jahren, zum ersten Mal seine Porträts gesehen habe, dachte ich mir spontan: So sieht auch ein Verbrecher Album beim FBI aus. Heute lehrt es mich Demut und vor allem Toleranz. Mir muss nicht alles gefallen. Es ist egal, welche fotografische Meinung ich dazu habe. Und ich bin mir ganz ganz sicher. Im Foto Wettkampf hier im Fotoclub bekommen alle seine Bilder: Null Punkte. Das spricht sehr für Martin Schoeller. Mach bitte weiter so!!

Nur die Leser Kommentare zu den Bildern sind nicht so mein Ding.