März Bilder 2026

Authentische Fotos

Authentizität ist ein Privileg. Die Suche, das Streben, das Verlangen nach Authentizität hat nicht jeder. Die Suche, das Streben, das Finden von Authentizität – dafür hat nicht jeder die Voraussetzung. Denn die Voraussetzung dazu ist Zeit.

Die Zeit zu haben, sich die Zeit zu nehmen. Sich die Zeit zu nehmen, um das Ganze nicht nur als flüchtigen Gedanken im Kopf durchzulassen, sondern an diesem Punkt hängen zu bleiben. Bewusst hängen zu bleiben. Und diesen Gedanken mal bewusst für ein paar Tage oder ein paar Wochen im Bewusstsein zu halten.

Ich weiß nicht, warum ich gerade in meiner jetzigen Lebensphase jedes Foto Lehrbuch gerade jetzt zum wiederholten Male lese. Einen Umbruch? – ist auch egal.

Authentizität ist ein Verlangen, zumindest in mir. Authentizität ist eine Reaktion auf Unterdrückung von außen. Authentizität ist ein starkes, extrem starkes Verlangen. Ich weiß nicht ob es ein Trieb ist – ich bin kein Psychologe und kein Biologe und kein Mediziner – aber auf jeden Fall ist es ein starkes Verlangen in mir, ich selbst zu sein.

Und der ewige Kampf in mir ist: Ist es jetzt Egoismus? Schließlich wurde ich jahrzehntelang geprägt: Der Esel nennt sich selbst zuerst. Sag ja keinen Satz, der mit „Ich“ beginnt. Das tun die Politiker schon bis zum extremen Überfluss.

Komisch, dass ich Authentizität meist in Verbindung mit Fotografie sehe. Auch das sonstige Leben könnte ja von Authentizität geprägt sein. Aber ich sehe es vorwiegend dort, und deshalb schreibe ich es auch hier im Zusammenhang mit dem Fotografieren.

Okay, zurück zum Thema Authentizität:

Wobei – Authentizität kann auch bedeuten: Wenn man es in der Kindheit so eingetrichtert bekommt, in der Kindheit und Schulzeit und Lehrzeit und im Berufsleben so antrainiert bekommt.

Authentizität kann auch bedeuten: Ich möchte mich nach den anderen richten. Ich fotografiere die Themen, die andere von mir verlangen. So wie momentan das Thema „Brücken“, das vom Fotoclub Wolfratshausen verlangt wird.

Also: Wenn zu meiner Authentizität gehört, wenn zu meinem Wesen Pflichterfüllung und Zuverlässigkeit und Untertänigkeit gehören, dann gehe ich raus und fotografiere Brücken. Das kann auch zu Authentizität gehören.

Wenn jemand denkt, aufgrund seiner Sozialisierung sei er jemand, der von Befehlen anderer abhängig ist, der ein Untertan ist – dann gehört es auch authentisch dazu.

Wobei ich mir ganz sicher bin – jedenfalls psychologisch –, dass der Widerspruchsgeist, den ich oft in mir spüre, keine Authentizität ist.

In dem Moment, wo ich gegen etwas bin, vehement, energisch, innerlich überzeugt gegen etwas bin, bin ich immer noch mit diesem „Gegen etwas“ verbunden. Ich bin noch nicht ganz frei.

Ich kann dann noch nicht sagen: „Okay, rutsch mir den Buckel runter.“

Letztendlich ist die Suche, das Streben und das Verlangen nach Authentizität auch der Versuch, eine Antwort zu geben auf die Frage:

Wer bin ich, wenn ich nicht mehr bin, wer ich bin?

Wer bin ich, wenn ich kein EDV-Trainer mehr bin?
Wer bin ich, wenn ich kein Fotograf mehr bin?
Wer bin ich, wenn ich kein Siemens-Angestellter mehr bin?
Wer bin ich, wenn ich kein Ehemann mehr bin?
Wer bin ich, wenn ich kein Vater mehr bin?

Wer bin ich, wenn alle Schubladen zu eng, zu klein sind?
Wer bin ich, wenn ich aus allen Schubladen raus möchte?

Jetzt ist es eine der wichtigsten Fragen des Lebens überhaupt – für alle Menschen. Ob wir uns dieser Frage jetzt bewusst stellen oder nicht. Und es ist leicht, diesem Thema auszuweichen. Denn es ist lästig. Und die Antworten sind nicht immer zufriedenstellend – eher unangenehm.

Also verdrängen wir sie gerne. Aber am Lebensende werden wir gefragt: Wer warst du?

Und wenn man dann keine Antwort geben kann, ist es wie im Deutschunterricht oder wie bei einer Prüfung:
Thema verfehlt. Auf ein Neues.

Ich glaube, dass diese Frage mit zunehmendem Alter immer dringender wird. Denn man hat schon so viele „Wer bin ich?“ hinter sich, sodass ein Teil der Antwort auch in der Frage liegt: Wer war ich?

Ich war mal Baby.
Ich war mal Kind.
Ich war Schulkind.
Ich war Konfirmand.
Ich war Auszubildender.
Ich war Mitarbeiter.
Ich war Clubmitglied.
Ich war Familienvater.
Ich war jemand, der Geld nach Hause brachte.
Ich war Urlauber.

Alles nur Teilzeitrollen.

Ein Schauspieler würde sagen: Alles nur ein kurzes Engagement. Rollen, die ich mal kurz gespielt habe. Weil ich dazu gezwungen wurde. Weil ich nicht mehr darüber nachgedacht habe. Weil da das Geld herkam. Weil das alle so machen.

Und wie bei einem Schauspieler muss man am Ende – oder gegen Ende – irgendwann auch eine Antwort geben.

Das und das war ich.
Das alles habe ich gespielt.

Das habe ich gespielt aus Zwang, Geld zu verdienen, Anerkennung zu bekommen.

Aber wer bin ich wirklich?

Ein Schauspieler geht abends oder nachts nach Hause und weiß genau: Er hat heute nur eine Rolle gespielt. Er war nicht authentisch. Er hat wegen des Geldes, der Anerkennung oder aus anderen Gründen nur eine Rolle gespielt.

Ich war nicht wirklich von innerstem Herzen jemand, der den Siemens-Aktionären noch mehr Milliarden bescheren wollte.

Ich frage mich: Ist es wirklich der Sinn meines Lebens, Urlaubern, die noch nicht oft genug in Venedig waren, Venedig noch besser zu erklären?

Oder den Gondolieri einen Kunden zu vermitteln und zehn Prozent Provision abzuknöpfen?

Authentizität und die Frage „Wer bin ich?“ kommen auch deshalb immer dringlicher auf mich zu, weil ich mich frage:

Was bleibt?

Was bleibt außer einer Handvoll Asche? Selbst aus meinen Bildern bleibt letztendlich nur Asche.

Zum Thema Authentizität gehört auch das Thema Ehrlichkeit.

Ehrlichkeit erschwert auch die Authentizität – zumindest bei mir. Ehrlich zu mir selbst zu sein und ehrlich zu den anderen. Und schon wieder die Aufforderung, die Maske fallen zu lassen. Unmaskiert, nackig durchs Leben zu gehen. Es könnte ja jemand merken, wer ich wirklich bin. Wie wenig ich wirklich bin. Wie winzig ich wirklich bin.

Da behalte ich schon lieber meine Maske und bin nicht authentisch.

Ehrlichkeit gehört auch dazu, ehrlich zu sein bei der Beurteilung, beim Rückblick auf sein Leben. Da war nicht alles Gold, was glänzt.

Und die Frage: Warum soll überhaupt alles glänzen?

Auch ehrlich zu sein zu den anderen.

Und dann gibt es wieder ein Echo in mir, einen Widerhall in mir, eine Resonanz in mir mit dem, was Nelson Mandela sagte: „Unsere tiefste Angst ist nicht, unzulänglich zu sein. Unsere tiefste Angst ist, dass wir unermesslich mächtig, stark, fähig sind.“

Das merke ich mir, wenn ich mit den Alten vom BFB zusammen bin. Die jammern mir die Hucke voll. Und dann soll ich ehrlich sein auf die Frage: „Wie geht’s dir?“ Und sagen: „Herrlich. Prächtig. Ich freue mich auf jeden Tag. Das Leben ist so was von geil. Besonders meins.“

Das wollen die gar nicht hören. Also bin ich hier wieder ein Stückchen Schauspieler. Bin wieder unehrlich. Also sage ich: „Ja, es geht so.“ Und das ist dann gelogen und nicht authentisch.

Fotografieren kann wirklich ganz schön schwierig sein

Es treffen sich in mir immer zwei Dinge aufeinander. Und leider passen diese nicht immer zusammen.

  • meine innere Stimmung
  • die äußere Stimmung der Welt

Und manchmal widersprechen sie sich komplett. Innen sonnig – draußen Nieselregen und grau . Das fühlt sich in mir fast so an, als müsse ich mich entscheiden:
Fotografiere ich meine Stimmung – oder die Stimmung der Umgebung?

1. Ich fotografiere das, was draußen ist.
Dann nehme ich das Grau, den Regen, die Kälte wahr. Das können Bilder sein von:

  • nassen Straßen
  • Spiegelungen in Pfützen
  • Menschen mit eingezogenen Schultern
  • leeren Plätzen im Nieselregen

Das Ergebnis sind dann ehrliche, atmosphärische Bilder.

2. Ich fotografiere das, was ich innerlich fühle. Dann suche ich bewusst nach Dingen, die zu meiner guten Stimmung passen:

  • Farben
  • kleine Details
  • Lichtflecken
  • humorvolle Situationen
  • etwas Unerwartetes im Grau

Das Ergebnis: optimistische Bilder trotz schlechtem Wetter.

3. Ich gehe in den Widerspruch, denn das ist oft der schwierigste Weg

Innen gut drauf – draußen graues Wetter. Diese Spannung kann ich, wenn ich einmal ein richtiger Fotograf bin nutzen für authentische Bilder.

Zum Beispiel:

  • ein bunter Regenschirm im grauen Umfeld
  • ein lachender Mensch im Regen
  • warme Fensterlichter in einer kalten Straße
  • kleine Zeichen von Leben im tristen Wetter

Dann erzählen die Bilder eine Geschichte. Und dahin will ich. Unbedingt.

Dass meine Stimmung das Fotografieren beeinflusst, ist kein Problem – sondern eher ein gutes Zeichen. Es bedeutet nämlich:

  • ich reagiere auf deine Umgebung
  • ich fotografiere nicht nur technisch
  • meine Bilder können Persönlichkeit bekommen

Und in vielen Lehrbüchern steht: Man fotografiert immer auch sich selbst.

Dürre, Katastrophe, Weltuntergang

In Wolfratshausen spürt man den Klimawandel ganz ganz deutlich.

Jetzt hat es schon eine Woche lang nicht mehr geregnet. Das wäre früher unvorstellbar gewesen.

Alles trocknet aus, verglüht, verdorrt, die Äcker bekommen große Risse.

Einen ersten Bauern habe ich heute gesehen, der schon sein Heu für dieses Jahr heimfährt.

Wie soll das nur weitergehen?

Der klassische Fluch des Anspruchs

Sobald ich aufhöre zu „knipsen“ und anfange zu „gestalten“, verliert mein Bild seine Unschuld. Ich sehe plötzlich Linien, Lichtverhältnisse und Bildaussagen, wo vorher einfach nur ein schöner Moment war.

Meine „göttliche Eingebung“ vom November 2025, ein Bild benötigt eine Aussage, ist im Grunde der Sündenfall des Fotografen – ich habe leider viel zu viel vom Baum der Erkenntnis gelesen, und jetzt komme ich nicht mehr zurück in den Garten Eden der unbeschwerten Oberflächlichkeit.

Dass sich „Was lange währt, wird endlich gut“ für mich gerade eher nach einer Drohung anfühlt, ist leider so. Und es lähmt. Extrem. Wenn ich zu lange überlege, zerdenke ich das Motiv, bis es dann tod und vorbei ist.

Meine neue „Weisheit“ als nachdenklicher Fotograf: Früher war ich Auslöser, heute bin ich Bedenkenträger.

Ein kleiner Trost : „Die Unbefangenheit ist wie die Zahnpasta: Ist sie erst einmal aus der Tube, kriegt man sie nicht mehr rein. Aber mit der Zeit lernt man, mit der Paste Bilder zu malen, statt nur das Waschbecken vollzusauen.“

Das, was ich gerade erlebe, ist der „Intermediate Blues“. Ich habe die Intuition, die Leichtigkeit, die Unbeschwertheit verloren, aber die technische und gestalterische Meisterschaft ist noch nicht so automatisiert, dass sie sich wieder „leicht“ anfühlt. Ich stecke fest. Viel zu fest.

Ich hoffe nur: „Was lange gärt, wird endlich Klarheit.“ Die Zukunft (meine Zukunft) wird es zeigen.

Meine Bilder

1. Kunst entsteht selten aus Anpassung.
Viele Fotografen finden ihren Stil erst, wenn sie aufhören, Erwartungen zu bedienen. Wenn ich Motive fotografiere, die ich gar nicht wirklich will, trainiere ich eher das Gefallen-Wollen als meinen eigenen Blick. Wie schrecklich!!!!

2. Mein Blick ist mein Wert.
Ein Fotoclub sucht oft gemeinsame Themen, Wettbewerbe oder „typische“ Motive. Das ist nicht falsch – aber es ist auch nur eine Art von Fotografie. Mein persönlicher Blick auf die Welt kann völlig anders sein: leiser, ungewöhnlicher, abstrakter aber auf jeden Fall: persönlicher.

3. Nicht angepasst zu sein ist oft der Anfang eines eigenen Stils.
Viele starke Bildsprachen sind genau daraus entstanden: Menschen haben fotografiert, was sie wirklich interessiert – auch wenn andere zuerst sagten: „Das ist doch kein richtiges Motiv.“

4. Ich darf Grenzen setzen.
Ich kann zum Beispiel sagen: „Ich fotografiere im Moment lieber meine eigenen Themen. Das ist mir für meine Entwicklung wichtig.“ Das ist kein Angriff auf den Club, sondern einfach eine ehrliche Position.

Eine kleine Perspektive:
Wenn ich nur fotografiere, was erwartet wird, bekomme ich vielleicht Anerkennung – aber meine Bilder gehören dann ein Stück weit den Erwartungen anderer.
Nur wenn ich fotografiere, was mich wirklich bewegt, gehören die Bilder mir.

Und gerade in der Fotografie ist das oft der Unterschied zwischen technisch guten Bildern und Bildern mit Seele.
Und ob Ihr es glaubt oder nicht: Diesen Text hat mir ChatGPT eigenständig erzeugt.
KI verändert alles. Gott sei Dank !!!

Welche Bilder mache ich, wenn nicht Meine?

Vielleicht nur Motive die andere vorschreiben oder erwarten.
Ein Spiegel-Bild, das Erwartungen reflektiert, statt ein Fenster zu sein, durch das mein eigenes Licht fällt.

Ohne Authentizität wird mein Leben täglich immer leiser in mir.
Meine Bilder magen gefallen, aber sie gehören mir nicht ganz.
Ich passe mich an, funktioniere, knipse, lächle – doch irgendwo in den Bildern verliere ich die Spur zu mir selbst.

Erst wenn ich ehrlich bin mit dem, was ich fühle, denke und fotografiere, beginne ich wirklich zu existieren.

Authentisch zu sein bedeutet nicht perfekt zu sein – sondern den Mut zu haben, unverstellt zu sein.
Ein Mensch, der knipst, aber nicht ganz aus sich selbst heraus.

Meine Bilder entstehen dann nicht aus meinem inneren Ursprung, sondern aus dem Wunsch, zu passen, zu gefallen oder nicht aufzufallen.

Doch Authentizität ist mehr als Ehrlichkeit nach außen. Sie ist eine stille Übereinstimmung zwischen dem, was ich innerlich erkenne, und dem, was ich nach außen lebe. Sie ist der Sinn des Lebens. In allen Menschen.

Ohne sie entsteht eine unsichtbare Distanz zwischen meinem wahren Selbst und dem Leben, das ich führe.
Ich erfülle Rollen, erfülle Aufgaben, mache Bilder, doch irgendwo bleibt ein Gefühl von Fremdheit gegenüber mir selbst.

Wie schrecklich !!

Vielleicht ist das die tiefste Frage des Menschseins: Ob ich den Mut habe, das zu verkörpern, was ich im Innersten bin – auch wenn es unbequem, unperfekt oder anders ist.

Denn ein Leben ohne Authentizität ist nicht unbedingt falsch, aber es bleibt unvollständig. Erst wenn ich beginne, mein eigenes Wesen zu bewohnen, statt nur Erwartungen zu erfüllen, wird mein Dasein wirklich zu meinem eigenen.

Und wer mich liebt und mag, akzeptiert dies zu 100%.

Und wie kann ich Authentizität erkennen?

  • Das nicht authentische Leben ist selten laut. Es ist eher ein leiser Abstand zwischen mir und mir selbst.
  • Authentizität verlangt Mut, weil sie Verantwortung bedeutet. Wenn ich wirklich ich selbst bin, kann ich mich nicht mehr hinter Erwartungen verstecken. Dann bin ich es, der entscheidet. Ich trage die Last meiner Freiheit.
  • Authentisch zu leben heißt nicht, ein fertiges Selbst zu besitzen.
    Es heißt, den Mut zu haben, sich immer wieder selbst zu begegnen – auch dort, wo es unbequem wird.
  • Je weiter ich mich von mir selbst entferne, desto leichter wird es, zu funktionieren – und desto schwerer wird es, wirklich zu leben.
  • Authentisch zu sein bedeutet nicht, sicher zu sein, wer ich bin. Es bedeutet, den Mut zu haben, mir selbst nicht auszuweichen.

Wer bin ich, wenn ich nicht authentisch bin?

Ein Leben im Schatten der Erwartungen? Aber Fotografen sollen/müssen ein Leben im Licht führen! Wenn nicht wir, wer dann?

Wenn ich nicht authentisch bin in meinen Bildern, werde ich leider nur zum Regisseur eines Stücks, in dem ich selbst nicht die Hauptrolle spiele. Ich funktioniere zwar, aber es fühlt sich hohl an.

  • Der Fremde im Spiegel: Ohne Authentizität in meinen Bildern, handele ich nach den Werten anderer. Ich treffe Entscheidungen, die sich „richtig“ anfühlen sollten, mich aber innerlich leer lassen.
  • Die Erschöpfung des Scheins: Es kostet mich unsagbar viel Energie, eine Fassade aufrechterhalten. Wenn ich nicht echt bin, stehe unter dem ständigen Druck, entlarvt zu werden oder den Erwartungen anderer nicht mehr gerecht zu werden.
  • Einsamkeit trotz Gesellschaft: Ich kann von Fotografen umgeben sein, aber wenn sie nur meine Maske lieben, bleibt mein wahrer Kern dahinter isoliert und ungesehen.
  • Trauer statt Freude: Und meine Seele (falls es so etwas überhaupt gibt) leidet. Trauert. Leise, aber ich höre es trotzdem laut. Nachts, wenn es ganz still ist. Und mit den Jahren immer penetranter, aggressiver.

„Wenn ich mich ständig anpasse, verschwinde ich irgendwann im Hintergrund meines eigenen Lebens.“

Was bleibt übrig?

Ohne Authentizität bin ich oft nur eine Summe von Reaktionen auf meine Umwelt, statt eine aktive Gestaltungskraft. Ich bin nur ein leises Echo, aber nicht die laute Stimme. Der Weg zurück zu mir selbst beginnt meist mit dem Mut, auch mal „unbequem“ zu sein oder jemanden zu enttäuschen – außer mich selbst.

In diesem Sinn war jeder Egoismus in meinem Leben eine wichtige Befreiung. Ein Sieg. Ein Triumpf: Mein Triumpf.

Nicht schon wieder!

Jetzt wird es so langsam Frühling. Zeit für neue Motive. Eis, Schnee und Raureif sind jetzt passé. Und was kommt jetzt? Schneeglöckchen, die ersten Blüten im neuen Jahr?

Bitte nicht, bitte nicht, bitte nicht – oder besser gesagt: Bitte nicht schon wieder!

Ich weiß, niemand ist perfekt. Deshalb habe ich auch gar nicht diesen Anspruch. Aber ich schäme mich fast, mich auf gewohntem Boden zu bewegen und zu zeigen, dass ich eine erschreckende Fantasielosigkeit, eine erschreckende Ideenlosigkeit und eine erschreckende Uniformität an den Tag lege. Immer wieder das Gleiche: Immer wieder im Frühling die ersten Frühlingsboten fotografieren.

Okay, ich verstehe, dass man als Mensch grundsätzlich auf „Neues“ abfährt, weil es einfach Glückshormone im Körper erzeugt. Aber es ist nichts Neues! Gänseblümchen oder Schneeglöckchen sind nicht wirklich etwas Neues. Wenn ich wenigstens eine neue Perspektive hätte, wenn ich wenigstens eine neue Idee hätte, wie ich das darstellen kann!

Aber einfach so von oben arrogant auf das Feld aus Schneeglöckchen runterfotografieren? Oder mich in den Dreck legen, weil man Tiere, Menschen und Pflanzen ja alle auf Augenhöhe fotografiert? Also im Dreck liegen und Gänseblümchen oder Schneeglöckchen auf Augenhöhe „vögeln“ (ablichten)? Bitte nicht! Das macht mir fast körperliche Schmerzen.

Ciao Ciao!

Wolfratshauser Spiegel Knipser

Spigelbild am Achensee

Wenn ein Wolfratshausen Bilder Knipser auf Reisen geht, was sieht er dann? Genau: Spiegelbilder. So geschehen gestern am Achensee.

Eigentlich, dachte ich, fotografieren war Gestern, Web-Seiten Erstellung und SEO und PR ist Heute. Aber so kann man sich täuschen. Es war mein eigener Fehler, den Fotoapparat überhaupt mitzunehmen.

Und so kam die Erkenntnis: Es geht mehr als nur die Konzentration auf ein einziges Lebens-Thema. Und es ist mir egal ob es „nur“ ein Ausgleich, oder Hobby ist, oder echte tiefe Leidenschaft, die mir ein Leben lang bleibt.

Mentaler Umbruch

In der Fotografie suchen wir oft nach Struktur, Klarheit und dem perfekten Moment. Doch was passiert, wenn sich der Fokus im eigenen Leben verschiebt? Das Bild, das ich heute teile, steht symbolisch für einen Zustand, den viele von uns kennen, aber selten dokumentieren: Der Umbruch.

Lange Zeit war mein fotografischer Rhythmus klar definiert: Frühmorgens aufbrechen, das Licht einfangen, die Ergebnisse sichten und abends in Fotobüchern versinken. Diese Phase intensiven Studiums war so prägend, dass ich die Bücher fast auswendig gelernt habe – ich wusste bei manchen Werken exakt, welches Motiv mich auf Seite 98 erwartet.

Doch diese Ära hat ein Ende gefunden. Das neue Kapitel in meinem (fotografischen) Leben ist noch nicht scharf gezeichnet; es liegt noch im Unklaren, ob es einen Weg zurück zur alten Routine gibt oder wohin die Reise tatsächlich führt.

Das Prinzip der Scheinwerferweite: Momentan herrscht eine gewisse mentale Unordnung – ein Zustand, mit dem ich mich überraschenderweise arrangiert habe. Es erinnert mich an ein Gleichnis, das ich vor Jahren las: Wer nachts mit dem Auto von München nach Hamburg fährt, sieht nie die gesamte Strecke. Das Scheinwerferlicht beleuchtet immer nur die nächsten 50 bis 100 Meter. Und doch reicht diese begrenzte Sichtweite völlig aus, um sicher ans Ziel zu kommen.

Genau so navigiere ich derzeit durch meinen Alltag. Ich kenne meine Aufgaben für die nächsten Wochen, ich habe vage Vorstellungen für den kommenden Monat, aber alles, was darüber hinausgeht, bleibt vorerst im Dunkeln.

In der Fotografie wie im Leben gilt: Man muss nicht immer das gesamte Panorama im Blick haben, um voranzukommen. Manchmal ist die Unordnung nur das Rauschen vor einem neuen, scharfen Bild. Ich blicke mit „Vollgas“ nach vorne, auch wenn die Details der fernen Zukunft noch auf ihre Belichtung warten.

Zuhause ist es am Schönsten

Mir bedeutet dieses Bild viel. Sehr viel. Zeigt es doch Langeweile, oder Ruhe und Beschaulichkeit, oder fern von jeder Hektik. Rund 10 Minuten habe ich gewartet, bis kein Auto, kein Fußgänger zu sehen war.

Ein Bild, das exakt zu meinem aktuellen inneren Thema: „Authentizität“ passt.

Jahrzehntelang, eigentlich in der Rückschau viel zu lange, bis ich morgens viel zu früh aufgestanden, nach München gehetzt, war braver Mitarbeiter, bis ich dann abends, auch wieder viel zu spät nach Hause fahren durfte. Habe meine Zeit, so wie es heute noch üblich ist, eingetauscht gegen Geld. Moderne geschäftliche Prostitution.

Und heute genieße ich es, wenn mal nichts los ist in Wolfratshausen, so wie im Bild. Ist mir sogar 10 Minuten warten wert. Jetzt, leider erst mit 73 Jahren erkenne ich authentisch, dass es stimmt, wenn es heißt: Am Ende des Lebens bereut KEINER, dass er nicht genügend gearbeitet hätte. Keiner sagt, noch mehr Überstunden hätte ich machen sollen.

So geht fotografieren heute!

Spazieren gehen. Den Fotoapparat dabei. Griffbereit. Und dann Achtsam schauen. An vielen Motiven, 99,9%, laufe ich einfach vorbei, obwohl mein Auge von links nach rechts, von oben nach unten, von vorne nach hinten, 180 Grad, immer umher wandert. Aber wenn mein Hirn bei den Eindrücken, die das Auge sammelt, nicht klick macht, nicht Hallo macht, nicht reagiert, kein Warnsignal oder kein Achtung-Signal gibt, laufe ich einfach vorbei.

Und dann kommt plötzlich und unerwartet irgendetwas, bei dem mein Hirn schlagartig signalisiert: das könnte etwas sein. So geht fotografieren heute. Bewusst werden: Was ist es denn? Ist es eine Farbe? Ist es was Schönes? Ist es was Hässliches? Ist es etwas, dass es wert ist gezeigt zu werden.

Und dann kommt die entscheidende Frage: Was bewirkt es in mir? Warum gerade dieses braune Blatt im grünen Blättermeer? Warum genau dieser Wirbel, der einzelne Wirbel auf der Loisach? Warum gerade dieses Motiv? Was ist es, was mich an diesem Motiv bewegt?

Das Unbewusste hat es entdeckt, es hat ein Signal gegeben, jetzt ist es da im Bewusstsein. Und dann die Reflexion: Was ist es? Warum ist es etwas? Und warum ist es etwas für mich?

Und wenn ich dann denke und glaube und meine: Ja, das Motiv ist es wert, ist für mich persönlich etwas wert, dass es von mir fotografiert wird, dann gilt es abzudrücken.

Und zu Hause kontrolliere ich das noch mal. Wie schon geschrieben: draußen vor Ort hat man ganz andere Emotionen. Laut und leise, hell und dunkel, kalt und warm, windig oder windstill, gut gelaunt, schlecht gelaunt – alles beeinflusst ja meine Motivauswahl.

Und zu Hause, abends, Stunden später, sieht die emotionale Bewertung schon wieder ganz anders aus. Und wenn das Motiv dann immer noch standhält, dann wird es veröffentlicht.

Dieses Motiv fotografiere ich täglich. Seit vielen Wochen. Aber noch nie hatte es diesen Schatten im Vodergrund.

Faktor 10!

Es ist doch erstaunlich, wie viel mehr lohnenswerte Motive es gibt, wenn man authentische Bilder macht. Bilder, die einem selbst gefallen. Bilder, von denen man überzeugt ist: Das ist dein Motiv. Bilder, die die eigene Persönlichkeit, die eigene Biografie ausdrücken.

Ich schätze, mit authentischen Bildern, die höchst individuell sind, die jeder von uns in sich trägt, von denen jeder nur noch den Mut braucht, sie auch zu fotografieren, sind dann die möglcihen Motive um den Faktor 10 umfangreicher, vielfältiger und zahlreicher vorhanden als Bilder, bei denen man beim Fotografieren schon überlegt:

  • Könnte es irgendjemand gefallen?
  • Ist es das Bild des Jahrhunderts?
  • Ist es das Bild für den Fotografie-Nobelpreis?
  • Ist das das Bild für Platz eins einer fiktiven Liste?
  • Ist es das Bild, bei dem ich endlich Anerkennung und Lob und Zuspruch finde?

Das sind die wenigsten Bilder.

Und auf mich bezogen, auf Wolfratshausen: Solche Motive gibt es hier auch gar nicht. Bilder für den Fotografie-Nobelpreis an einem grauen Herbsttag in Wolfratshausen? Nahezu völlig ausgeschlossen.

Aber Bilder, die mir etwas bedeuten. Bilder, die ich mag. Bilder, die ich in mir trage. Bilder, von denen ich überzeugt bin: Hier und heute und jetzt ist es einen Klick wert. Auch wenn ein Klick keine große Anstrengung bedeutet, trotzdem ist es die Entscheidung: Ist es mehr einen Klick wert, ist individuell? Dann ist es gut.
Nur wenn es mir gefällt ist es gut. Wenn es den Andern nicht gefällt, sollen sie es anders, besser, indivdueller machen.

Und dann gilt natürlich wie immer hinterher die Prüfung: hat dieses Bild eine Aussage, eine emotionale Tiefe? Besteht die Bild Qualität am Monitor immer noch, oder ist sie unterwegs, irgendwie in der Fototasche liegen geblieben?

Beim Auslösen, beim Fotografieren selbst, war mir das Motiv noch etwas wert – hatte eine Aussage, eine Bedeutung. Und hinterher am PC dann die strenge Prüfung: Hat dieses Bild Bestand? Drückt es dann am PC immer noch das Gleiche aus wie vor Ort beim Klick?