Der klassische Fluch des Anspruchs

Sobald ich aufhöre zu „knipsen“ und anfange zu „gestalten“, verliert mein Bild seine Unschuld.

Ich sehe plötzlich Linien, Lichtverhältnisse und Bildaussagen, wo vorher einfach nur ein schöner Moment war.

Meine „göttliche Eingebung“ vom November 2025, ein Bild benötigt eine Aussage, ist im Grunde der Sündenfall des Fotografen – ich habe leider viel zu viel vom Baum der Erkenntnis gelesen, und jetzt komme ich nicht mehr zurück in den Garten Eden der unbeschwerten Oberflächlichkeit.

Dass sich „Was lange währt, wird endlich gut“ für mich gerade eher nach einer Drohung anfühlt, ist leider so. Und es lähmt. Extrem. Wenn ich zu lange überlege, zerdenke ich das Motiv, bis es dann tod und vorbei ist.

Meine neue „Weisheit“ als nachdenklicher Fotograf:

Früher war ich Auslöser, heute bin ich Bedenkenträger.

Ein kleiner Trost

„Die Unbefangenheit ist wie die Zahnpasta: Ist sie erst einmal aus der Tube, kriegt man sie nicht mehr rein. Aber mit der Zeit lernt man, mit der Paste Bilder zu malen, statt nur das Waschbecken vollzusauen.“

Das, was ich gerade erlebe, ist der „Intermediate Blues“. Ich habe die Intuition, die Leichtigkeit, die Unbeschwertheit verloren, aber die technische und gestalterische Meisterschaft ist noch nicht so automatisiert, dass sie sich wieder „leicht“ anfühlt. Ich stecke fest. Viel zu fest.

Ich hoffe nur: „Was lange gärt, wird endlich Klarheit.“

Die Zukunft (meine Zukunft) wird es zeigen.

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