Bildsprache – Schlussworte

Ich habe lange innerlich mit mir gerungen:

Soll ich die paar mahnende Worte gleich zu Beginn in die Einleitung schreiben, damit der Leser sofort weiß,
auf was er sich mit dem Thema Bildsprache einlässt, oder soll ich dieses Thema als Schlusswort schreiben?

Und wie sie sehen, habe ich für letztere Variante entschieden.

Der frühe Vogel fängt den Wurm

Früher bin ich mit der Meute dem „besonderen Licht“ hinterher gerannt. Die Bild Aussage war egal. Ich habe nicht gewusst, dass es so etwas überhaupt gibt. Hauptsache das Licht war außergewöhnlich. Also früh raus und die blaue Stunde knipsen. Heute denke ich, der frühe Vogel soll den Wurm nur fangen, ich mag schon lange keine Würmer mehr. Dafür gefällt mir der Spruch um so mehr: „Erst die zweite Maus bekommt den Käse“. Heute denke ich, die blaue Stunde fotografiere ich nur noch, wenn ich damit etwas visuell ausdrücken will.

Außergewöhnliche Perspektive

Die zweite, sehr beliebte Art des Mainstreams um Aufmerksamkeit zu bekommen, ist der Versuch, möglichst eine ungewöhnliche Perspektive einzunehmen. Also bin ich unter Brücken geklettert und habe meine Bilder gemacht. Was dieses Bild ausdrücken soll, war mir egal. Den Betrachtern auch.

Mainstream ade!

Wer sich auf das Foto-Thema Bildsprache einlässt, riskiert damit, dass er als Fotograf oder Künstler bewusst den Mainstream verlässt weil er sich zunächst vom üblichen Kitsch und Klischees lossagt.

  • Mit Sicherheit hat er weniger Publikum. Die üblichen „Schön-Bilder“ des Mainstreams, gefallen deshalb so vielen Menschen, weil sie leicht verständlich sind, sofort Emotionen auslösen und bestimmten, üblichen visuellen Sehgewohnheiten entsprechen.
  • Wer seinen eigenen Geschmack fotografiert und sich nicht mehr prostituiert, kommt bei den meisten Menschen, die nur auf die üblichen, bunten „Kalender Bilder“ stehen, nicht mehr so gut an.
  • Die Anzahl der „Schulter Klopfer“ nimmt ab. Deutlich. Das ist ein gutes Zeichen.
  • Wer nicht mehr liefert was andere von Ihm erhoffen, verliert automatisch die breite Masse als Publikum.
  • Wer von der Fotografie leben will oder muss, verkauft zunächst weniger.

Auf der Gegenseite gewinnt er auch.

  • Die Fachwelt, die sich dieser Zwickmühle natürlich klar bewusst ist, schätzt es sehr, wenn endlich mal einer ausschert und den Mut hat zu sich selbst zu stehen und Authentizität zeigt. Diese kleine Schar werden als echte Künstler angesehen.
  • Die Anzahl der Bewunderer wird kleiner, aber die Bindung dieser wenigen Zuschauer an eine echte, authentische, starke Persönlichkeit nimmt stark zu.
  • Die fotografische künstlerische Freiheit nimmt auch extrem zu. Die Anhängigkeit vom Markt nimmt ab.
  • Die Glaubwürdigkeit nimmt zu und damit der Respekt der Gleichgesinnten

Letztendlich muss jeder Fotograf selbst entscheiden: Will ich ein „Udo Jürgens“ der Bildsprache werden oder sein, der visuell etwas aussagt, oder ein x-beliebiges Schlagersternchen, das nur mit „trallalie trallala“ auf einen Hit hofft. Koste es was es wolle, und wenn es die eigene Selbstachtung ist.

Visuelle Aussage ist lokal und temporär

Seit Wochen beschäftigt die „veröffentlichte Meinung“ in diesem Jahr fast nur ein Thema: Die Trockenheit und die hohen Temperaturen. Also bin ich heute raus und machte ein Bild der Kühle und der Wolken (mit Hoffnung auf Regen).

Dieses Bild wirkt vorwiegend lokal: Zeigt es doch den Kirchturm von Wolfratshausen. Und es ist eine temporäre Aussage: In Kürze kommt, wie in jeder zweiten Augusthälfte, die ganz große Abkühlung, mit Regen und der jährlichen Gewissheit und Enttäuschung: Der Sommer ist jetzt endgültig zu Ende.