Lexikon der Bildsprache: Einleitung

Ausdruck macht Eindruck

Ich glaube es ist jetzt schon 20 Jahre her. Ich sitze wie so oft am PC und plötzlich kommt eine SPAM eMail rein. Irgend ein Werbetexter hat mir seine Dienste angeboten. Er meinte, er kann exzellente und überzeugende Werbetexte entwerfen, welche meine Kunden so geschickt überzeugen, dass sie letztendlich bei mir online einkaufen. Die Kunst sei nur, aus Worten Geld zu machen.

Natürlich gehe ich auf solche SPAM Mails nicht ein. Aber seine Titelzeile, sein Aufhänger ist mir bis heute in bester Erinnerung. Sie ist sozusagen mein täglicher, geistiger Begleiter.

Und hier beim Thema Bildsprache, passt sie wie die Faust aufs Auge: Ausdruck macht Eindruck.

Und tatsächlich: Egal ob Udo Jürgens sein Lied: „Griechischer Wein“, oder die Beatles ihr „All you need is love“ singen. Diese Lied Aussage macht bei den Zuhörern mächtig Eindruck.

Ein Rechtsanwalt, der sich vor Gericht verbal sehr gut ausdrücken kann, wirkt überzeugender vor dem Richter, als ein mittelmäßiger oder gar schlechter Anwalt.

Jeder Redner der sein Handwerk versteht und überzeugend daherkommt, begeistert die Zuhörer und ist erfolgreicher als ein Langeweiler.

Wir Fotografen unterscheiden uns ebenfalls in der Qualität unsere Ausdrucksweise. Wir sprechen nicht mit Worten, nicht mit Liedern, nicht mit Skulpturen, sondern wir drücken uns visuell mit Bildern aus. Je beeindruckender wir das mit Fotos umsetzen, je tiefer ist und bleibt der Eindruck, den wir beim Betrachter hinterlassen.

Auch für unsere Fotos gilt: Ausdruck macht Eindruck.

Wie alles begann: Die Möwe Jonathan

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Die Möwe Jonathan vermittelt, dass persönliches Wachstum entsteht, wenn man den Mut hat, eigene Grenzen zu hinterfragen und neue Wege zu gehen. Jonathan folgt seiner Leidenschaft für das Fliegen, obwohl er dafür Ablehnung und Ausgrenzung erlebt. Er erkennt, dass wahre Freiheit aus Lernen, Übung und der Entfaltung des eigenen Potenzials entsteht. Statt verbittert zu sein, gibt er sein Wissen an andere weiter und inspiriert sie, ebenfalls über sich hinauszuwachsen.“

Ich komme mir auf meinem Weg der Fotografie vor wie die Möwe Jonathan.
Die Mitgliedschaft hier im ortsansässigen Fotoclub war für mich nicht erfüllend.
Der Meute hinterher zu rennen um Anerkennung zu finden, ist nichts für mich.
Das zu machen, was alle tun, lehne ich ab.
Für Andere oder Ausstellungen zu fotografieren ist sekundär.

Mein Weg geht zuerst nach innen:
Was will ICH?
Was ist MEIN Stil?
Was erfüllt MICH?
Mit viel Versuch und Irrtum: Fotografieren nur um des Fotografierens willen.
Spielen, nicht gefallen wollen.
Ewiges Lernen.

Mich fasziniert was über die Möwe Jonathan geschrieben wird: Sie entfernt sich bewusst von der Meute, die sich schreiend um ein paar Fischreste der Fischer balgen und sich mit Fischabfall zufrieden geben. Sie sondert sich bewusst ab, um absichtslos Fliegen zu lernen, tauchen zu können, Schlaf im Flug zu beherrschen, etc.
Bis hin zur Meisterschaft. Das reine Sein einer Möwe, war immer Ihr Ideal.

Und siehe da, nach unendlich vielen Fehlversuchen und harten Bruchlandungen, lernte sie zu tauchen. Tief zu tauchen. Bis ganz tief hinunter, wo die kostbaren, wohlschmeckenden Fische schwimmen.

So schreibt es Richard Bach bereits im Jahr 1970 in seiner Erzählung.

Laut schreien!

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Konstantin Wecker: „Es sind nicht immer die lauten stark, nur weil sie lautstark sind.“

„Es sind nicht immer die Lauten stark, nur weil sie lautstark sind.
Es gibt so viele, denen das Leben ganz leise viel echter gelingt.
Die stehen nicht auf Bühnen, füllen keine Feuilletons,
die kämpfen auf schwereren Plätzen…“

Jedes Kind kann bereits kommunizieren wenn es auf die Welt kommt, auch wenn die ersten Laute nur schreierisch sind. Schwer zu verstehen.

Und mir kommt es vor, als folgen zu Beginn alle Fotografen diesem Prinzip: Laute, markt-schreierische Bilder von Sonnenuntergang, Sonnenaufgang, Blaue Stunde, Makros, Blüten, Schmetterlinge, etc. Hauptsache laut. Hauptsache schreierisch. Mit den üblichen Foto-Wettbewerb Regeln: „Wer schreit am lautesten?“

Doch das ist keine visuelle Kommunikation. Weder verbal noch visuell. Es ist nur laut.

bla bla bla

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Und wie die Kinder, die sich über Jahre langsam in Ihrer Kommunikation mit der Umwelt weiter entwickeln, geht es uns Fotografen auch. Aus dem Laut-Schreien wird allmählich ein bla bla bla. Das übliche Fotografen Gemurmel: Schmetterlinge, Grand Canyon, Niagara Fälle, Exoten-Bonus, „ich war da“-Bilder, Nebel, Tautropfen an Spinn-Netzen, etc. Wohin man schaut, nur der übliche Foto-Kitsch und Klischee. Nichts für mich. Nicht, dass ich denke, ich wäre etwas besonderes. Nein, ich will nur ICH sein und nicht ein anynoymes, austauschbares, angepasstes und braves Mitglied irgend einer unbedeutenden Foto Community.

Doch das Foto-bla bla bla, ist wie bei den kleinen Kindern, noch immer keine richtige, keine verständliche Kommunikation. Bei Kindern, da bin ich mir ganz sicher, wird die Kommunikation im Laufe des Lebens immer besser, klarer, verständlicher. Der Wortschatz steigt täglich. Das Gefühl für die artgerechte Grammatik auch. Und bei Anwälten ist die sprachliche Gewandtheit sogar extrem ausgeprägt: Ausdruck macht Eindruck. Das ist auch mein Ziel als Fotograf. Perfekt zu kommunizieren.

David Ulrich: Professor für Fotografie an einem ganz normalen amerikanischen College schreibt dazu in seinem Buch: „Bewusster fotografieren“:“ Viele Bilder sind heute rein malerisch, ohne inhaltliche Tiefe. Viele Fotografen und Fotografinnen wollen mit ihren Bildern maximale Wirkung erzielen oder einfach nur schöne oder optisch ansprechende Fotos machen. Dies ist eine Stufe auf der Lernkurve, die jedoch schnell überwunden werden kann – und überwunden werden sollte.“

Und dann kommt er auf den Punkt: „Fotografie ist ein mächtiges Kommunikationsmittel, und viele Menschen sind der visuellen Klischees überdrüssig, die in der populären Fotografie vorherrschen.“

Und er frägt uns ganz eindringlich: „Was wollen Sie sagen? Wie sehen Sie die Welt? Welche Ideen und Eindrücke berühren Sie im Innersten?“

Kommunikation ist für Ihn und für mich, obwohl ich ihm nie persönlich begegnet bin, der eigentliche Sinn der Fotografie. Mit dieser Überzeugung hatte ich jedoch in keinem Fotoclub in dem ich kurz zu Gast war, irgendwelche Seelenpartner. Schade eigenlich. Das Wort Bildsprache habe ich dort nie gehört.

Und so wie Kinder mit jedem Jahr die menschliche, sprachliche Kommunikation mehr und besser lernen, so will ich als Fotograf auch die Elemente, sozusagen die „Worte der visuellen Kommunikation“ immer besser lernen und verstehen und anwenden. Leider muss ich das allein machen.

Und natürlich muss und will ich auch auch die Grammatik, also die Zusammensetzung der Elemente der visuellen Kommunikation beherrschen: Bilder machen, die etwas aussagen: Die hohe Schule der Fotografie. Alles andere ist für mich nur Knipserei. Und das ist völlig in Ordnung: Jedem das Seine.

Von Rosen und Dreck

Irgendwo habe ich einmal gelesen: An der Hand die Rosen schenkt, bleibt ein süßer Duft zurück.

Ich erweitere den Satz: An der Hand, die mit Müll und Dreck um sich wirft, auch.

In fast allen Foto Lehrbüchern steht, dass jedes Bild auch etwas über den Fotografen aussagt. Es sagt etwas über den Autor aus, ob er positive, schöne, aufmunternde, lebensfrohe Bilder veröffentlich oder nur Dreck, Abfall, Müll, Negatives, Mord und Totschlag.

Henri Cartier-Bresson: „Wir sehen die Welt nicht, wie sie ist, wir sehen die Welt, wie wir sind.“

Ansel Adams: „In jedem Bild gibt es immer zwei Menschen: den Fotografen und den Betrachter.“

Ernst Haas: „Es gibt immer nur Dich und die Kamera. Jegliche Beschränkungen liegen in Dir selbst, denn das, was wir sehen, ist das, was wir sind.“

Minor White: „Ein Foto ist immer ein Selbstporträt, egal, wen oder was du ablichtest.“

Der Kern all dieser Aussagen ist, dass Motivauswahl, Blickwinkel, Licht und der Moment, in dem man abdrückt, stark von den eigenen Werten, Erfahrungen und dem inneren Empfinden gesteuert werden.

Das gilt nicht nur für uns Fotografen: Auch Dichter, Roman-Schreiber, Zeitungs Redakteure, Filmemacher, Theater Regisseure, Bildhauer, und alle Kunstschaffende: An Ihren Früchten wird man sie erkennen. Wie innen, so außen.

Ich habe einen Bekannten, der die meisten Sätze beginnt mit: Ja, aber das Problem ist!
Oder wie mein engster Jugendfreund immer sagt: Jetzt wählt er auch diese eine Partei, die haben für jede Lösung das passende Problem.

Und ganz drastisch auf den Punkt gebracht: Was soll einmal auf unserem Grabstein stehen:
„Er war ein Rosen Kavalier“ oder „Da liegt er nun, der Defätist.“

Aussagen, Aussagen überall Aussagen

Scheinbar ein „ganz normaler Balkon“ in Wolfratshausen. Und doch sagt er etwas über die Bewohner hinter dem Balkon aus. Sozusagen die individuelle Balkonsprache.

Oben der Balkon ist bunt, vielfältig, farbenfroh, geschmückt, lebensfroh, usw.

Unten der Balkon ist leer, nüchtern, sachlich, ungeschmückt. Auch das sagt etwas über die Bewohner aus. Vielleicht wohnen oben echte Menschen und unten ist nur ein Balkon vor einem Büro. Kann sein. Aber es sagt etwas aus!!

Und ich meine dies alles ohne Bewertung. Jedem das seine. Aber es sagt halt etwas aus. Es drückt etwas aus.

Alles drückt etwas aus: Wie wir Menschen uns kleiden. Wie wir gehen: Aufrecht oder gebeugt. Schnell und gezielt oder langsam und tippelnd. Welches Auto wir fahren. Welchen Beruf wir haben.  Wie wir leben, wo wir leben, welche Beziehungen wir eingehen, was wir essen, wie unsere Wohnung eingerichtet ist, im Innern und im Außen, usw. Alles zählt. Oder wie ich einmal gelesen habe: Wir können NICHT „nichtkommunizieren.“ Selbst wenn wir den ganzen Tag zuhause auf dem Sofa liegen, sagt das etwas über uns aus. Alles zählt.

Sowie alle Bilder die wir Fotografen machen, auch eine Bild-Aussage haben. Deshalb ist das Beherrschen der Bildsprache so wichtig.

Jeder der sich in Italien mit den Bewohnern unterhält (kommuniziert), muss möglichst viele italienische Worte und natürlich die Grammatik der italienischen Sprache beherrschen.

So muss ein guter Fotograf auch möglichst viele Elemente (Worte) der visuellen Kommunikation beherrschen. Seine Bilder sagen etwas über ihn aus. Und der Betrachter sollte es auch erkennen. Dann ist er ein Meister seines Fachs.

Resonanz, oder was soll ich denn fotografieren?

  • Wie viele Worte und Sätze sprechen Sie täglich aus?
  • Wie viele Worte und Sätze schreiben Sie täglich?

Und es ist egal wie Ihre Antwort lautet: Es sind auf jeden Fall ganz schön viele Worte.

Und einmal ganz ehrlich: Ist alles, was sie so täglich daherreden im perfektem Deutsch? Und falls sie in der Arbeit viel schreiben müssen: Sind alle Ihre Texte Literatur Nobel Preis verdächtig?

Wenn nicht, und davon gehe ich einmal aus, wie kommen Sie dann auf die Idee, dass ausgerechnet Ihre Fotos perfekt, schön, einmalig, sensationell sein müssen.

Ich schätze einmal, dass 99% aller Fotos die sie täglich sehen, in den Massenmedien wie Fernseher, Internet, etc. Bilder vom Typ: „Visuelle Aussage“ sind. Ein Minister wird entlassen. Dazu wird von der Redaktion das passende Bild ausgesucht. Kein Bild mit Morgennebel und Sonnenstrahlen dazu. Kein Sonnenuntergang. Kein Bild der letzten Urlaubsreise. Ein Bild mit der Aussage. Der geht von der Bühne. Das war’s. Aus, Maus, basta.

Die sogenannten „Schönen Bilder“ in den Fotoclubs, sind eine ganz seltene Ausnahme. Alle anderen Bilder sind normale Erinnerungen an einen Urlaub, Kindstaufe, gemeinsames Feiern, Radlausflug, etc. Also Bilder mit einer Aussage.

Nach vielen Tagen ohne Regen war es mir heute wert, dieses „Bild der Nässe“ zu machen. Mehr nicht. Ohne Wettkampf um das „Bild des Jahres“ hier im Fotoclub. Diees Motiv hat mich angesprochen. Resonanz. Mehr nicht.

Mit dieser Einstellung erweitert sich Ihr Spektrum an möglichen Fotos enorm. Wenn Sie nur auf der Suche nach „schönen Bildern“ sind, wird Sie das einengen. Unnötig einengen. Wenn Sie laufend auf der Suche nach dem Bild des Jahres sind, verengt sich ihr Blick auf das was eigentlich möglich ist.

Minor White (1908–1976) war ein einflussreicher US-amerikanischer Fotograf, Kunsttheoretiker, Pädagoge und Mitbegründer des renommierten Fotomagazins Aperture. Er lehrte seine Schüler: Suche Resonanz.

Minor Whites Unterrichtsansatz basierte auf genau diesem Kernprinzip: Er brachte seinen Studenten bei, nicht bloß Motive zu dokumentieren, sondern nach visuellen Entsprechungen für innere Zustände zu suchen.

Damit sind wir wieder beim Thema: Wie innen so außen. Jedes Bild sagt sehr viel über den Autor aus. Gehen Sie also hinaus (am besten täglich) und fotografieren Sie alles, was Sie persönlich und individuell anspricht. Und zeigen Sie es her. Die Welt wartet nicht auf das milliardste Bild eines Sonnenaufgangs. Diese Art von Bildern gibt es schon mehr als genug. Zahlreich und von den schönsten Plätzen der Erde.

Aber Ihre lokale Sicht der Dinge hat noch niemand so ausgedrückt wie Sie. Das ist es was zählt. Das ist es was ihre Mitmenschen sehen wollen. Zeigen Sie sich. Nur Mut. Sie können gar nichts falsch machen. Ihre Meinung ist Ihre Meinung. Und mit der Zeit werden Ihre Bilder immer treffender. Mit jedem Element der Bildsprache das Sie einsetzen wird Ihre Aussage immer besser und verständlicher. Und das ist alles was zählt.

Ted Forbes schreibt in seinem Buch. „Die Sprache der Fotografie“:

„Was sollten Sie fotografieren? Wo fangen Sie an?“

Und nach diesen Fragen gibt er auch eine Antwort:

„Mit dem, was ich heute weiß, wäre meine erste Reaktion: »Was soll das heißen, du weißt nicht, was du fotografieren sollst? Das ist Fotografie – ein echte Gabe! Sei stolz auf deine Umgebung, den Ort, an dem du lebst! Das ist es, was du der Welt zeigen kannst, anstatt den Wald vor lauter Bäumen nicht zu sehen!“«

Von Wasserfällen, Solisten und braven Chor Mitgliedern

Suchen Sie bitte mit einer Internet Suchmaschine nach dem Begriff: Wasserfall. Als Ergebnis wählen Sie keine Internet Seiten (Web) sondern Bilder. Dann verstehen Sie sofort was mit dieser Bild Überschrift: Von Wasserfällen, Solisten und braven Chor Mitgliedern gemeint ist. Gefühlt sind die ersten Millionen Bilder alle gleich. Alle wurden offensichtlich mit Stativ und als Langzeit Aufnahme erstellt. Keiner getraut sich, das wilde, tosende, brausende, spritzige eines Wasserfalls als visuelle Ausage zu zeigen.

In der Kunst und Fotografie müssen Sie sich entscheiden:

  • Wollen Sie mit Ihren Bildern im Mainstream Chor untertauchen und sich verstecken, oder
  • wollen Sie aus der Masse heraustreten, etwas riskieren, auch anecken wenn es sein muss.

Wenn Sie sich anpassen, bekommen Sie bestimmt  mehr Likes, mehr Bestätigung, mehr Schulterklopfen. Das ist der Weg den die meisten Fotografen gehen: Anpassen an den Durchschnitts Geschmack in Internet Foren oder im Club.

Aber gleichzeitig verlieren Sie extrem viel: Ihre eigene Selbstachtung. Ihre Eigenart, die Ihnen bei Geburt mitgegeben wurde. Ihre Freiheit, Spannung in Ihren Bildern die Ihre eigene Stimme wiedergeben.

Und ja, es ist einfacher und weniger anstrengend, sein ganzes Fotografen Leben mit dem Strom zu schwimmen. Aber nur wer gegen den Strom schwimmt, kommt zur Quelle.

Bild: KI-generiert (Gemini) – Die abgebildeten Personen sind synthetisch erzeugt und stellen keine realen Persönlichkeiten dar.

Glauben Sie dass Udo Jürgens, wenn er nur im Chor gesungen hätte, genau so großartig gewesen wäre? Er hat vielmehr sein ganz eigenes Ding durchgezogen. Er war kein Angepasster. Er hat sich etwas getraut. Auch ernste und gesellschaftskritische Themen in Schlagzeilen zu verpacken und musikalisch umzusetzen. Er tat das, was er für richtig hielt, und ist NICHT nur einfach dem Mainstream hinterhergelaufen. Er ist seiner eigenen Stimme gefolgt und hat diese auch laut vorgetragen.

Genau das ist es, was starke Fotografie ausmacht: der Mut zur eigenen Note. Wer immer nur mitsingt, um kein Aufsehen zu erregen, bleibt austauschbar. Die „Solisten“ hingegen hinterbleiben in Erinnerung.

Auch Pablo Picasso wusste, dass echte Kunst dort beginnt, wo man aufhört, es allen recht machen zu wollen.

Wer fotografiert, nur um Applaus zu ernten, liefert am Ende nur das ab, was die Leute hören oder sehen wollen. Das ist dann nicht mehr als Dekoration oder Unterhaltung, und nur selten echte Schöpferkraft.

Die großen Pioniere der Fotografie machten und machen alle ihr Ding. Sie sind innerlich getrieben. Sie wollen ihre eigene Vision nach außen zeigen. Beifall oder nicht, das ist ihnen egal.

Bei Wasserfall-Bildern bedeutet das: Viele Knisper, eigentlich die meisten, wollen den sicheren Beifall für das gefällige Seidenwasser. Ein echter „Solist“ würde sich hinstellen, die Gischt und das Chaos ungeschönt einfangen, selbst wenn er auf Instagram weniger Herzen bekommt.

Und Frank Sinatra hätte als Chor Mitglied nie singen können: „I did it my way“

Tatsache ist jedoch: Sie haben eine Stimme. Eine eigene Stimme. Eine visuelle Stimme. Darum geht es hier. Also: Reden Sie, singen Sie, fotografieren Sie. Denn wenn Sie es nicht tun, macht es niemand so wie Sie.

Das Ende der „schönen Bilder“

Bild: KI-generiert (Gemini)

Alle Fotografen, die sich noch nicht um das Thema Bildsprache kümmern und sich noch nicht damit beschäftigen, werden sowieso bald arbeitslos. Sie sind es eigentlich schon. Die KI kann es besser schöner und schneller als wir das jemals geträumt haben.

Jeder der ein schönes Bild für seine Wand benötigt, hat es auf Wunsch in 10 Sekunden. Jeder der einen schönen Kalender braucht, hat es in 13 mal 10 Sekunden.

Trilogie

Trilogie Teil 1

Die erste Frage die wir Fotografen uns stellen ist immer wieder:

Was will ich denn fotografieren, bzw. was sehe ich im Außen, das mich innerlich, mental, geistig so interessiert, dass es mir ein Foto bzw. den Versuch eines Fotos wert ist. Wieso geht das Motiv vor meiner Linse, so sehr in Resonanz mit mir, dass ich mich damit beschäftigen will. Was hat es mit mir zu tun. Was will und kann ich persönlich damit aussagen? Denn offensichtlich lässt es andere Fotografen kalt. Sie gehen achtlos daran vorbei.

Und hier ist keine hoch philosophische, tiefenpsychologische Analyse erforderlich. Jeder der etwas achtsam durch sein eigenes Leben geht, merkt sowieso welche Motive ihn interessieren und welche nicht. Sind es Porträts, Kinderbilder, Urlaubsbilder, Schmetterlinge, der Heimatort, die Heimat Region, etc. Immer wenn etwas auftaucht, das uns interessiert, anspricht, heben wir den Fotoapparat ans Auge oder heben das Handy hoch und klick.

Trilogie Teil 2

Der zweite Teil der Trilogie betrifft die handwerklich geschickte oder meisterhafte Umsetzung. Welche Belichtungszeit passt zum Motiv, welche Blende (Schärfentiefe), welche ISO Einstellung, Weißabgleich, Brennweite (Blickwinkel), welche Komposition, Hoch- oder Querformat, wo sitzt die Schärfe, Farbe oder Schwarz/Weiß, was muss unbedingt mit aufs Bild, was darf nicht mit aufs Bild, etc. Wie kann ich meine Absicht mit dem Bild etwas auszusagen, handwerklich am treffendsten umsetzen?

Über diese handwerklichen Fähigkeiten mit Ihrer jeweiligen Bedeutung und Einstellungen, wurden und werden zahlreiche perfekte und umfangreiche Lehrbücher geschrieben.

Hier setzt auch Ihre künstlerischer Fähigkeit und Begabung an: Was wollen Sie mit dem Foto aussagen, wie geht das am besten, machen Sie nur ein Bild im Vorrübergehen oder beschäftigen Sie sich 30 Minuten mit diesem Motiv. Nähern Sie sich mit Versuch und Irrtum immer mehr der bestmöglichen Umsetzung an? Wie schnell geben Sie auf oder wie sehr beißen Sie sich fest?

Trilogie Teil 3

Wenn Sie der Meinung sind, sie haben nach vielen Versuchen vor Ort, aus allen möglichen Blickwinkeln die beste Version, das bestmögliche Foto gemacht, geht es nach Hause an den PC mit dem großen Monitor, um die Bilder bzw. das beste Bild noch etwas nachzuarbeiten. Jetzt nutzen Sie die zahlreichen Regler der aktuellen Bildbearbeitung, damit Ihre geplanten Aussagen am stärksten zu Geltung kommt.

Kommunikation allgemein

Sie kennen den Spruch: „Man redet viel, wenn der Tag lang ist.“

Und das ist gut so und muss scheinbar unter uns Menschen so sein. Nicht alles was wir reden (Verbal kommunizieren) ist im perfekten Deutsch. Nicht alles sind wohlgeformte, gut überlegte Sätze, brilliert mit Wortwitz und Redegewandtheit.

Vieles was wir so daher reden sind auch ganz banale Themen. Vieles wiederholt sich auch fast täglich. Auch das ist so in Ordnung.

Was ich damit sagen will: Auch wir Fotografen, die wir viel oder fast täglich mit Bildern kommunizieren, haben nicht nur Nobelpreis verdächtige Aufnahmen. Das wäre auch gar nicht möglich. Wer täglich in die  Arbeit geht und nur nebenbei zum Hobby fotografiert, kann täglich keine Bilder mit Eisbären aus der Arktis, Sonnenuntergang hinter dem Matterhorn, Gletscher aus dem Himalaya liefern. Und so viele brillante und sensationelle  Bilder gibt der eigene Wohnort auch nicht täglich her.

Mögliche Lösungen: Wir fotografieren wenig oder gar nicht oder wir fotografieren eben auch mal banales. So wie wir auch viel banales reden. (kommunizieren)

Nicht jeder Einkaufszettel den wir schreiben, nicht jede Email die wir versenden, steht unter dem Verdacht, den nächsten Literatur Nobelpreis zu bekommen. Nicht jeden Text den wir schreiben, muss unbedingt tiefenpsychologisch und  hochphilosophisch sein. Auch viele banale Texte verlassen unseren PC am Arbeitsplatz. Und das ist auch OK.

Auch hier die Konsequenz: Nicht jedes Bild das wir machen, muss das schönste Bild der Welt sein. Natürlich geben wir unser Bestes. Aber vieles ist einfach grauer Alltag. Das sollten wir akzeptieren und das Beste daraus machen. Wer aus Angst vor negativen Kommentaren NICHT fotografieret, verzichtet grundlos auf visuelle Kommunikation. Später werden Sie es garantiert bereuen. Es ist schön auf die eigenen Bilder vergangener Zeiten zurückzublicken.

Nehmen wir uns uns Pablo Picasso als Vorbild: Ich male nicht für den Beifall.

Die KI empfiehlt mir folgende Sätze zu diesem Thema zu verwenden:

  • „Ich fotografiere nicht, um gelobt zu werden. Ich fotografiere, weil ich etwas zu sagen habe.“
  • „Kunst entsteht nicht aus dem Wunsch nach Beifall, sondern aus dem Bedürfnis, etwas auszudrücken.“
  • „Wenn mein Bild nur dann etwas wert ist, wenn andere es loben,
    habe ich die Kontrolle über meine Fotografie abgegeben.“
  • „Fotografieren wir eigentlich für uns selbst – oder für die Reaktionen der anderen?“