Das passende Licht für alt, verlassen und verfallen

In meiner unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich ein etwas älteres Haus. Die Bewohner sind vor 2 Jahren in ein Altersheim umgezogen. Seit dieser Zeit ist das Haus verlassen und es verfällt zusehends. So weit, so gut. Eigentlich nichts besonders, das geschieht in jedem Ort bzw. Stadt mehrfach, immer wieder und ist alltäglich.
Was mich persönlich betrifft, könnte es mir eigentlich egal sein. Aber da ich die Bewohner fast täglich auf der Straße und beim Vorbeigehen traf, habe ich eine kleine Beziehung zu dem Haus.
Deshalb überlegte ich mir schon lange, wie ich dieses alte verlassene Motiv so fotografiere, dass der Betrachter erkennt: Ein altes, verlassenes Haus, das langsam verfällt.

Heller Sonnenschein passt nicht dazu. Blauer Himmel auch nicht. Und die Bild Bearbeitungs-Regler auf bunt, hell, freundlich, optimistisch zu stellen ist ebenfalls nicht passend. Deshalb weniger Kontrast, weniger Licht, etc.
Ich verfolge den Zustand des Hauses jetzt weiter. Es bleibt mir auch gar nichts anderes übrig, da ich fast täglich daran vorbei kommen.
Wie alles begann!

Hier ist mein erstes Bild, welches ich nach unzähligen Verwirrungen und Versuchen mit Licht und Schatten und Farben und Schönheit gezielt mit dem Vorsatz: „Jetzt mache ich endlich mal ein Bild mit Aussage“ fotografiert habe. Ich war einmal kurz in zwei Fotoclubs hier in der Nähe. Und bei beiden war das Wort Bildsprache ein Fremdwort. Also musst ich viel viel Lesen bis ich dieses Fotografen Thema entdeckte.
Wichtig: Nicht einfach nur ein belangloses Nebel Bild mit Bäumen, Wasser, Tieren, Landschaften. Das entscheidende bei diesem Nebel Bild sind die Schienen, die den Weg in die Zukunft unsicher, vernebelt, verzaubert oder verschleiert darstellen. Eine Straße hätte die gleiche Aussage, war aber gerade keine zur Stelle.
Zur Kontrolle musste meine Frau hinterher raten, was ich wohl damit gemeint haben könnte:
Volltreffer: Sie meinte, das Bild zeigt eine ungewisse, unklare, unsichtbare Zukunft.
10.000 Stunden

Der kanadische Journalist und Sachbuchautor Malcolm Gladwell schreibt glaubhaft in seinem Buch: „Outliers: The Story of Success“ (auf Deutsch erschienen als „Überflieger: Die Erfolgsgeheimnisse von Ausnahmemenschen“), dass 10.000 Stunden gezieltes Üben nötig sind, um zur absoluten Meisterschaft zu gelangen.
Als Beispiel führt er u.a. die Beatles an. Er beschreibt, dass die Beatles nicht nur für drei kurze Konzerte in Hamburg waren, sondern drei mal viele Monate und viele Nächte in Hamburg aufgetreten sind.
Bei täglich 2 Stunden fotografieren und täglich eine Stunde Nachbearbeitung zuhause am PC sind dies 300 x 3 = 900 Stunden pro Jahr. Das bedeutet fast 10 Jahre täglich 3 Stunden bis zur Fotografen Meisterschaft.
Die bekannte deutsch-amerikanische Fotografin Lisette Model (oft auch Lisette Modell geschrieben) soll einmal gesagt haben: Fotografiere nie etwas, das dich nicht interessiert. Sie meinte damit, dass echte Leidenschaft und persönliches Interesse die absolute Grundvoraussetzung für ein gutes und authentisches Foto sind.
So sollte es Ihnen auch gehen. Falls Ihr Fotoclub sie rausschickt mit dem Auftrag: Fotografiere die blaue Stunde, das Frühlingserwachen, Brücken, die Farbe blau, oder ähnlicher Schwachsinn, dann haben Sie den Mut im eigenen Interesse NEIN zu sagen. Warum?
- 1. Fotografiere nie etwas, das dich nicht interessiert.
- 2. Es benötigt 10.000 Stunden Training, um etwas wirklich zu beherrschen.
- Sie vergeuden sinnlose Lebenszeit, das kostbarste Gut das Sie haben. Wenn andere Bilder der blauen Stunde wollen, sollen sie diese selbst machen